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- Bewegung in der Kommunikation -

Lernen im Markt

Verfasst von heddesheim am Juli 7, 2009

Auszug aus dem Buch: Reichtum von unten – G. Faltin

Lernen im Markt heißt: Lernen in Unsicherheiten. Jede unternehmerische Entscheidung enthält ein Risiko. Ist sie falsch, werden ökonomische Sanktionen früher oder später wirksam. Richtige Entscheidungen führen letztendlich zu höheren Erträgen. Das Spiel „Unternehmen“ hat Ernstcharakter.

Der Markt ist wie eine entschulte Schule, die mal als Hindernisbahn, als verzweigtes Labyrinth, als Ort blitz- schneller Entscheidung, als Werkstatt für Tüftler, als Ashram zur Stärkung der Sinnierkraft, als Büro für ungewöhnliche Maßnahmen, als Ideenbörse oder Turnierplatz in Erscheinung tritt und ebenfalls entschulte Lehrer in verschiedenen Rollen mitwirken läßt: als konkurrierende Unternehmer, Bürokraten, Manager, halbseidene „Geschäftspartner“, Erfindungsreiche, als Kunden, als Feinde und Freunde. Die Lehr- und Lernmaterialien entstammen der Wirklichkeit und werden oft selbst hergestellt. Diese Schule, die mit der von Pädagogen praktizierten Einrichtung gleichen Namens fast nichts gemein hat, finanziert sich selbst.

Ach ja, auch Noten gibt es keine, vielmehr drücken Kunden ihre Anerkennung oder ihr Mißfallen in Mark und Pfennig aus. Prüfungen geraten nicht zu Kurzzeitveranstaltungen von prognostisch zweifelhaftem Wert, die Konsumenten verteilen stattdessen kontinuierlich Lob oder Tadel. Sie sorgen auch dafür, daß Unternehmer ständig dazulernen müssen, daß sie mehr und mehr Sachkompetenzen brauchen und immer wieder auch neue Ideen. Bevor ein Produzent das Klassenziel, die schwarzen Zahlen, verfehlt, hat er meist hinreichend Zeit – wenn er die frühen kleinen Warntafeln nur ernst genug nimmt -, sich auf höhere oder gewandelte Anforderungen seiner Kunden einzustellen. Sitzenbleiber gibt es zwar, Unternehmer nämlich, die am Markt vorbei oder über ihre Verhältnisse gewirtschaftet haben, aber keine Schulverweise auf immer. Neuanfänge sind möglich. Und alle, die als Unternehmer mit dabei sind, brauchen nicht motiviert zu werden, sie sind es schon, und je mehr sie das Spiel fasziniert, desto weniger achten sie auf Stundenpläne und Ferienzeiten, sie sind am liebsten Tag und Nacht dabei.

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